Hans Vincenz, Abstrakter Expressionismus
Maler der leuchtend-frohen Farben
Hans Vinzenz stellt alte und neue Bilder im Folkwangmuseum aus
WAZ November 1951 von Arthur van Dyck

Hans Vincenz 1934, Ölkreide auf Papier
Kaum mehr als zwanzig Jahre ist das malerische Werk Hans Vinzenz alt. Die heute eröffnete Kollektivausstellung im Folkwangmuseum beweist seine Lebenskraft. Der 51 Jahre alte Maler, der in Werden ein kleines Fabrikunternehmen betreibt, hat nie Aufsehen von seiner Kunst gemacht. Wertvolles wächst in der Stille. Er ist Autodidakt und entdeckte die Gesetze des Gestaltens mit der Farbe wie einer, der plötzlich die Stimme hört, die ihn zu seiner eigentlichen Lebensaufgabe ruft. Aus dem Maler in den Mußestunden wurde allmählich der Besessene, der von der bunten Palette Bestrickte, immer auf neuen Wegen zu ihr hin suchend, immer um ihre leuchtende Seele bemüht. Das war ein stetiger Prozess von Erlebnis und Erfahrung, dessen Ergebnisse. dem Betrachter nun überzeugend gegenübertreten.

Schon auf den frühen Bildern zeigt sich Vincenz im sicher umrissenen Raum des Gegenständlichen, den er nie verlässt, mit der wirkungsmächtigen Technik des Pinsels sehr vertraut. Schon besitzt er Gefühl dafür, dass oft im Weglassen mehr gesagt wird als in der dichtesten Schilderung. Zwischen der nächsten Entwicklungsstufe liegen einige Jahre plastischer Versuche. Sie vermitteln — so paradox es klingt — dem Künstler wertvolle Erkenntnisse für die malerische Behandlung der Fläche. Wie weit er dabei gekommen ist, sieht man den vom dekorativen Element beherrschten, schier nach dem Auftrag auf die Wand rufenden Bildern der früheren Zeit an.
Ölgemälde, von dem sich mehr und mehr verfeinernden Farbgefühl eines lyrischen Temperaments, das immer reinere, leuchtende und innigere Klänge findet. Eine Landschaft, die Vincenz malt, lässt hinter der konturhaften Form ihrer frischen duftigen Welt eine tiefe Verschwisterung der Dinge erkennen. Farben nehmen einander auf. Flächen und Linien berühren und überschneiden sich und durchdringen einander. Das ist eine Melodie von heiterer Gelöstheit, die fortschwingt und froh macht. „Kunst soll, nicht belasten“, meint der Rheinländer Vincenz. Seine Malerei gibt ihm- das Recht, so zu sprechen.
A. v. D.