Hans Vincenz, Abstrakter Expressionismus
Beherrschend blieb bei ihm die Farbe
Hans Vincenz, Essen im Ostwallmuseum
WAZ Juni 1960

Hans Vincenz 1954, Oekreide auf Papier, 78 x 58cm
Der in Essen lebende Maler Hans Vincenz, dem das Museum am Ostwall eine fünfundsiebzig Arbeiten umfassende Ausstellung widmet, hat — wie er im Begleittext des Katalogs bekennt — .1931/32 seine Beziehung zur Farbe entdeckt. Man bedauert, in den Ausstellungsräumen keine künstlerischen Zeugnisse aus dieser Zeit vorzufinden: sie hätten einen wesentlich umfassenderen Eindruck ermöglicht.

Das früheste Bild der Folge stammt aus dem Jahre 1948: eine mit Ölfarben auf Papier gemalte „Badende“, wie die 1949 entstandene „Ernte“, von eher dekorativem als expressivem Reiz. Die „Rudernden Mädchen“ verweisen auf August Macke, die „Frau mit Schirm“ lässt an Schmidt-Rottluff denken, zwei Straßenbilder sind von Emil Nolde angeregt. Der Betrachter beurteilt solche Parallelen keineswegs abschätzig: Vincenz bewahrt genug Eigenes, sich auszudrücken.
Die starke Farbigkeit dieser Bilder hat er auch in seiner allmählichen Hinwendung zur Abstraktion zunächst beibehalten. Er beginnt etwa 1952 — die Fläche geometrisch aufzuteilen (was vor allem in kräftigen Olen sichtbar wird). Erst als er sie auf diese Weise ganz „in den Griff“ bekommen hat, erlaubt er sich Zug um Zug leichtere Bildgerüste. Titel wie „Flirrend“, „Gläsern“, „Weißes Netz“ sind bezeichnend, das jüngste Ölbild der Ausstellung heißt — gewiss nicht zufällig — „Skurrile Bewegung“.

Die Gouache-Technik (frühestes Bild in Dortmund: 1957) gestattet Vincenz besonders luftige Muster — Blaue Sicht“ nennt er eines ihrer reizvollsten: in Varianten von Blau, Grau und Weiß sind ein sanftes Ocker und ein warmes Rot eingesprengt. Hinterglasbilder zeigen Genauigkeit und Anmut.