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Malerei als Existenz-Erlebnis
Ausstellung von Hans Vincenz (Essen) im Ostwall-Museum
Ruhr Zeitung Juni 1960
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Hans Vincenz 1958, Gouache
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Es ist so etwas wie „Malerei aus Leidenschaft“,
die den in Essen-Werden lebenden Hans Vincenz in vierzig von sechzig
Lebensjahren gefangen hält. Er ist Autodidakt und schon seit
seinem ersten künstlerischen Erlebnis von einer erstaunlichen
handwerklichen Fertigkeit. Mit den immer wieder eifrig gesuchten
Begegnungen, die Ihn an die entscheidenden Stilrichtungen und -wandlungen
vom deutschen Expressionismus bis zur Abstraktion heranführten,
hat auch Vincenz es mit überlegter Einfühlung gereizt,
in Immer sich wandelnden Formen dem Erlebnis des Fremden eine eigene
Variation abzugewinnen, die durchaus nicht bloßes Epigonentum
Ist. So gibt es eigenartige, ja, verblüffende Übereinstimmungen
im geistigen Habitus mit dem Werk Mackes, etwa bei den 1949 entstandenen „Rudernden
Mädchen“, deren intensive Blau-Violett-Gelb-Farben eine
echte Tiefenverwandtschaft mit dem Vorbild bezeugen. |
Der entscheidende Schritt
zu klarer Eigenständigkeit aber vollzog sich bei Vincenz mit seinem
Eintritt in den Bereich der Abstraktion. Hier wurde, vor allem
in einer Fülle von Gouachen, eine neubelebte gestaltende Hand
frei. Es sind Blätter eines freien, aber wohl gegliederten
Formenspiels mit vegetativen und technischen Zeichen, die vor allem
durch eine sensibel verwendete Farbigkeit ausgezeichnet sind.
Wenn jetzt das Ostwall-Museum erstmalig mit einer Imposanten Fülle
von Arbeiten Vincenz aufwartet, so deshalb, weil der nahezu in
aller Heimlichkeit verborgen schaffende Künstler nach außen
so gut wie überhaupt nie in Erscheinung getreten ist und weil
ihm Malerei schlechthin eine täglich aufs neue notwendige
Auseinandersetzung mit sich selbst bedeutet. Sie ist ihm Existenz-Erlebnis
schlechthin. Von Dortmund geht die Ausstellung in seine Wahlheimat
und das Folkwangmuseum, dessen Leiter, Direktor Dr. K ö h
n. ihr auch im Ostwallmuseum das Geleit gibt.
nn.
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