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Mitgehen mit der Zeit
Ausstellung Hans Vincenz im Ostwallmuseum
17.07.1960 – Friedhelm Baukloh
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Hans Vincenz 1959, Gouache
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Mit dem sechzigjährigen Hans Vincenz präsentiert
das Ostwallmuseum einen Maler, der als Autodidakt, also als einer,
der selbst sich das künstlerische Rüstzeug anzueignen
begann und einen Weg gegangen ist, wie ihn so in Übereinstimmung
mit den jeweils die Zeit bestimmenden Stilen kaum ein eingefleischter „Akademiker“ hätte
gehen können. Wenn das Wort, dass ein Künstler stets
im Einklang mit seiner Zeit gestanden hätte, verblüffend
hundertprozentig zutrifft, dann auf Hans Vincenz. Doch meinen wir
das nicht im abschätzigen Sinn. Warum ist es nicht eine künstlerisch
durchaus statthafte Möglichkeit, mit der Zeit zu gehen?
Natürlich kommt es darauf an, dass man charaktervoll mit der
Zeit geht. Und mit den braunen Gleichschaltern der Zeit ist Hans
Vincenz allerdings nicht gegangen. |
Dagegen ist er von frühen Fluss
- und Vorstadtbildern bis zu seinen tachistischen dien Werken seit
1958 immer den jeweils im Mittelpunkt echter künstlerischer
Auseinandersetzung stehenden Richtungen gefolgt. „1946 das
erste gegenstandsfreie Bild“, schreibt er beispielsweise
in dem — nobel ausgestatteten, aber nur seine abstrakten
Bilder enthaltenden — Katalog.
Ein Rundgang gleichsam durch alle zeitcharakteristischen Epochen
eines Malerlebens lohnt sich schon, wie ihn diese Ausstellung so
exemplarisch anbietet. Denn auch bei einem so stark aufnahmewilligen
und aufnahmebereiten Künstler wie Vincenz findet man recht
bald den eigenen Grundton, der in all den Wandlungen des Malstils
nur willkommene Variationsmöglichkeiten für den eigenen
eingewurzelten Impressionismus sieht. Vincenz ist zunächst
und vor allem ein Maler von Farbstimmungen und er liebt die ausgewogene
Komposition, die Harmonie und die warmen Farbtöne, wobei in
Grün, Gelb und Rot Farbanklänge, auch in der Zusammenstellung,
an Macke deutlich werden. Ob nun die „Frau mit Schirm“ oder
die bereits gegenstandsfreien „Lichten Feldern“ vor
uns stehen immer ist es ganz deutlich dieselbe Malweise. Trotz
der Austauschbarkeit der Richtungen, immer ist es Wärme, ein
leiser Hauch von Melancholie, aber noch mehr und überwiegend „lichte
Felder“.
Strenger sind scheinbar seine tachistischen Kompositionen. Aber
das mutet nur auf den ersten Blick so an. Bald erkennt man auch
da die wohl vertraute Harmonie wieder, nur dass das Dunkel, das
Schwarz gewachsen ist an Einfluss und Suggestionskraft. Die Schatten
fallen gleichsam dichter. Hier hat, insgesamt gesehen, ein sensibler
Mensch auf den künstlerischen Richtungen wie auf einem Klavier
gespielt, in jeder Variation seine eigene Melodie. Er konnte es
sich leisten, jeweils „mitzumachen“, weil er doch immer
wieder dabei sich selber entdeckte. So wurde mit und nicht gegen
die Zeit sein eigenes Profil immer deutlicher. Damit aber setzte
er ein Zeichen vom möglichen, durchaus ehrenwerten und charaktervollen
Mitgehen mit der Zeit.
F.B.
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