Hans Vincenz, Abstrakter Expressionismus

Eine großartige Palette
Hans Vincenz Ausstellung im Kunstkabinett
NRZ - März 1964


Hans Vincenz 1963, Oel auf Holzplatte
Das Städtische Museum zeigt im Kunstkabinett der Stadtbücherei bis zum
3. Mai eine Ausstellung mit achtundsechzig Arbeiten des Essener Malers Hans Vincenz: Ölgemälde, Gouachen, Collagen und Hinterglasbilder. Der Künstler wurde 1900 in Köln geboren, lebt aber seit 1914 in der Ruhrmetropole. Er ist Autodidakt, hat sich jedoch in unablässigem Fleiß und Selbststudium zur Höhe seiner heutigen Leistungsfähigkeit emporgearbeitet. Seine Werke wurden in. Köln, Dortmund und Essen ausgestellt und in den amerikanischen Städten Dallas, Austin und Oklahoma.


Die Hälfte eines jeden Tages verbringt Hans Vincenz in seinem Fabrikbetrieb, die andere Hälfte sitzt er hinter der Staffelei — ein gesunder Spannungsausgleich, wie er sagt. 1930 legte er in der Malerei eine schöpferische Pause ein und befasste sich mit der Holzplastik. Die Jugendperiode war abgeschlossen. Es musste etwas Neues kommen.
Das Neue begann in einer Flächigkeit, wie wir sie bei alten italienischen Meistern kennen. Nach dem zweiten Weltkriege, dem er viereinhalb Jahre opfern musste, wandte sich Hans Vincenz allmählich der Gegenstandslosigkeit zu. Und bald bekannte er sich endgültig zur absoluten Maiweise. Dafür ist die jetzige Ausstellung lebendigstes Zeugnis.

Vielleicht entdeckt man hier und da noch Spuren der Vergangenheit, in einem Baummotiv etwa, in Eifeler Landschaftsreflexionen, ansonsten aber ist die Abstraktion vollkommen. Auch konkrete Titel werden vermieden; Nummern und Jahreszahlen ersetzen sie. Bemerkenswert ist ein Gedächtnisbild für den Freund Werner Gilles, das auch dessen Art zu malen vortäuscht.

Ungemein reich an Tönen ist die Palette Hans Vincenz. Er kann verschwenderisch mit ihnen umgehen, er kann aber auch sehr ökonomisch sein. Immer hat man den Eindruck, dass alles so, wie es gemacht ist, seine unausweichliche Richtigkeit hat. Charakteristisch für Hans Vincenz ist der vertikale Rhythmus der von der Horizontale häufig aufgegliedert wird. Mancher Besucher wird besonders gern vor den leuchtenden Hinterglasbildern verweilen, denn dieser Technik gilt offenbar Hans Vincenz: größere Liebe. Und an ihnen lässt sich am besten die Entwicklung von 1948 bis heute ablesen.
H.S.