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Sinnliche Freude des Sehens
Hans Vincenz stellt in der Hahnentorburg aus — Ein Meister
der Stille
Kölner Stadtanzeiger Juli 1962
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Hans Vincenz 1960, Gouache
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In
der Hahnentorburg des Kölnischen Kunstvereins
wurde eine Ausstellung eröffnet, die einen gebürtigen
Kölner, der seit vier Jahrzehnten in Essen lebt, In seine
Heimatstadt zurückführt, an die ihn sehr präzise
Erinnerungen knüpfen: Hans Vincenz
Gemälde, Hinterglasbilder und Gouachen bezeugen einen Maler,
der von sich selbst berichtet aus der sinnlichen Freude des Sehens
erwächst ihm die Freude am Malen, an der differenzierten
Behandlung der Farben und der Oberfläche“. Dr. Toni
Feldenkirchen, dem die Ausstellung zu verdanken ist, erzählte
einführend von seiner Begegnung mit Vincenz in der herbstlichen
Eifellandschaft und seinem Eindruck von dem „Meister der
Stille“, von seinem „Naturieren, vom Finden und vom
Erfinden und vom Neubilden der Natur“. Dass von Köln,
vom Rhein, dem Autodidakten Vincenz das heimliche und nie verleugnete
künstlerische Erbe erwachsen sei, erfuhren die anwesenden
Kölner Kunstfreunde mit besonderer Freude.
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Kreidige
Linien
Beim Betrachten der Bilder aus dem letzten Jahrzehnt findet man
die Bestätigung solcher Würdigung. Chronologisch beginnt
die Schau mit fest gefügten Kompositionen. „Helle Zeichen“ oder „Flächenspiel“,
scharf konturierten, klar gegeneinander abgesetzten Farbbezirken
mit der Leuchtkraft alter Kirchen! enster. Später lockert
sich die Fügung mehr ins malerisch Tonige, „Massiv“ (1958)
z. B., ein in sich differenzierter Komplex mit feinen kreidigen
Linien über verhaltener Farbigkeit. Gleichsam zeichnerische
Bewegung zeigt eine weitere Stufe; „Gelbe Flucht“ (1959)
ist ein Beispiel auch für die malerische Delikatesse, deren
Vincenz mächtig ist: auf dem Grund, der die Leinwandstruktur
gelten lässt, vollzieht sich nervöses Geschehen in gelben,
schwarzen und, grauen Bahnen, Linien und Akzenten. Bei den Ölbildern
der jüngsten Zeit versucht Vincenz Materialeffekte, Collage,
deren Relief bei der Nr. 11/62 bis zur Wirkung von Baukeramik gelangt. Wald als Erlebnis
Der Technik entsprechend feiner organisiert sind solche Experimente
bei der Serie der Gouachen. Vincenz scheut sich nicht, Blätter
aus dem Herbarium in die durchaquarellierte Fläche zu
fügen, ohne ins Peinliche zu geraten. Man begreift sie
als zur „sinnlichen Freude des Sehens“ gehörig.
Der Wald steht als Erlebnis hinter vielen dieser schönen
Blätter, Stämme, Dickicht, Gestrüpp in jeder
Beleuchtung und Stimmung. So scheint z. B. „Giersberg“ mit
den graugoldenen Tönen, den zerbrechlich zart gezeichneten
Gräsern und den braunen Naturblättern die Erinnerung
an eine herbstliche Waldwiese zu beschwören.
Den eigenartigen Reiz der Hinterglasmalerei weiß Vincenz
in vielfältigen Variationen phantasievoll auszukosten. Hier
knüpft er wohl bewusst an die von den Initiatoren des „Blauen
Reiters“ entdeckte Volkskunst an (die direkte Beziehung
schuf die Freundschaft mit Helmut Macke). Man entdeckt in den älteren
Arbeiten surrealistische Formen, Anklänge an die Art Paul
Klees und —entfernter — an den Jugendstil In dieser
Technik der spiegelglatten Farbigkeit entwickelt Vincenz ganz
neue Wirkungen, über die der Glasmalerei hinaus, durch Collage
von Stoff und Partikeln bedruckten Papiers und durch Kratzzeichnung
mit Spachtel. und Kamm. Immer ist Natur die große und unerschöpfliche
Anregerin des Malers, geliebt, „durchfreut“ und in
künstlerische Geste transponiert. Es ist eine schöne
Ausstellung und eine wohltuende Begegnung.
B.

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