Hans Vincenz, Abstrakter Expressionismus

Ein Künstler von Rang
Hans Vincenz Ausstellung im Museum Folkwang, Essen
WAZ September 1961


Hans Vincenz 1959, Hinterglasmalerei
Das Museum Folkwang zeigt bis zum 8. Oktober Ölgemälde, Gouachen und Hinterglasbilder des in Werden lebenden Malers Hans Vincenz. Die Ausstellung, die schon in Dortmund zu sehen war, enthält fünfundsiebzig Arbeiten und erstreckt sich über einen weiten Zeitraum. Sie belegt mit vielen Beispielen eine Entwicklung, die aus der Gegenständlichkeit zur Abstraktion führte, beide Spielarten aber auch gleichberechtigt nebeneinander duldet. Im Vorwort des Katalogs spricht Hans Vincenz über sich selbst und seinen Werdegang.

1900 in Köln geboren, bildete er sein Talent autodidaktisch aus. Schon früh siedelte er nach Essen über, und hier begann seine Auseinandersetzung mit den damaligen Gegebenheiten der Malerei. Seine ersten Bilder hatten dunkle, tonige Farben, seine Motive waren Schiffe, Landschaften, Industrieanlagen. Nach einem Aufenthalt im Tessin hellt sich seine Palette auf, und Anfang der dreißiger Jahre wandte er sich mit helleren Tönen neuem Beginn zu.
Nach dem Krieg befasste er sich auch mit der Gegenstandslosigkeit, mit der reinen Ordnung der Form. Da entstanden Werke, die noch beziehungsvolle Namen tragen wie „Orange“, „Gläsern“, „Massiv“, „Blaues Licht“ und „Flatternd“; andere heißen einfach „Bild“. Stücke wie „Gegeneinander“, „Gelbes Zentrum“ und „Senkrechte Komposition“ sind von einer intensiven Spannung und Aussagekraft beherrscht.

Den berufenen Porträtisten In Hans Vincenz verraten je ein Frauen- und Männerbildnis von ruhigem Ausdruck. Der Mensch als Thema beschäftigt ihn immerzu. Schöne Zeugnisse dafür sind „Rast“ und „Rudernde Mädchen“, die noch aus einer weniger nervösen Epoche stammen.

Hans Vincenz präsentiert sich mit dieser Ausstellung als ein Künstler von Rang und Gesinnung, als eine Persönlichkeit, die ihre Grenzen kennt, innerhalb dieser Grenzen aber alle Möglichkeiten nutzt und ausschöpft.
H. S.