Hans Vincenz, Abstrakter Expressionismus

Heitere Hinterglasmalerei
Hans Vincenz (Essen) stellt im Museum Folkwang aus
NRZ September 1961


Hans Vincenz 1956, Hinterglasmalerei
Der Prophet gilt nicht viel in seinem Vaterlande. Sagt man. Gilt ein Essener Künstler nicht viel im Folkwang Museum? Dieser Satz stimmt nicht. In letzter Zeit nimmt sich das Museum recht rege der einheimischen Künstler an. Dabei werden gelegentlich auch erstaunliche Entdeckungen zu Tage gefördert. Der in Essen Heidhausen am Bellenbergsteig 16a lebende Maler Hans Vincenz ist eine solche Entdeckung.

Der 1900 in Köln geborene Autodidakt ist den meisten Essener Kunstfreunden noch unbekannt. Das Dortmunder Museum am Ostwall veranstaltete vor Jahresfrist eine Ausstellung seiner Gemälde, Gouachen und Hinterglasbilder. Jetzt folgt das Folkwang Museum. Hans Vincenz hat verdient, dass man ihn besser kennen lernt.
Der Maler hat sich in seiner Jugend vor allem vom Niederrheinischen angezogen gefühlt: der Fluss im diffusen Licht der Ebene. Leider ist von diesen frühen Werken — .seit Anfang der zwanziger Jahre lebt und schafft Vincenz in Essen — nichts mehr erhalten. Das gilt auch für seine Tessiner Bilder und Holzplastiken.

Die Ausstellung zeigt rund 75 Arbeiten, die alle erst nach dem Kriege entstanden. Etwa ein Drittel ist gegenständlich: pastellweich gemalte Bilder. Menschen, Landschaften und Schiffe, manchmal erinnern sie on fern an Macke oder Heckel. Ein leiser melancholischer Schleier liegt über einigen.

Anders die Abstrakten. Hier triumphieren die Farben, hier tummeln sich Fröhlichkeit und heitere Verschwendung. Hans Vincenz malt abstrakt, ohne sich dadurch mit Welträtseln zu umgeben. Seine Bilder sind unproblematisch. Hier ist er Rheinländer mit Kölner Frohsinn.

Die Hinterglasbilder zählen zum Schönsten, was die Ausstellung zu bieten hat. Um dieser kleinen Arbeiten willen allein verdient Vincenz stark beachtet zu werden. Bei den Collagen ist einiges etwas wild drauflos gestaltet. Insgesamt ist die kleine Schau sehenswert und fesselnd. Sie ist bis zum 8. Oktober geöffnet.
lid