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Hans
Vincenz im Folkwangmuseum
A. Brasch
RZ November 1951
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Hans Vincenz 1951, Oel auf Leinwand
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Man wird selten in der modernen Malerei
ein Opus finden, in dem sich die beiden, einander so widersprechenden
Züge
des Impressionismus und der abstrakten Kunst, die, jeder für
sich, um die Vorherrschaft im Schaffen unserer Zeit ringen, so
miteinander verbinden, wie das in den Bildern von Hans Vincenz
der Fall ist. Der aus dem Kölnischen stammende Maler lebt
seit Jahrzehnten in Essen. Sein fast überreiches Werk ist
in den Gängen einer Fabrik gestapelt, die ihm zwischen sausenden
Webstühlen ein Atelier eingeräumt hat. Der eine viel
berufene sausende Webstuhl der Zeit und die Umwelt der Industrie
wirken nicht hinein in dieses Atelier. Da schafft ein Lyriker,
schafft mit Farben, wie sie ein Dramatiker der Farbe nicht stärker
wünschen könnte leuchtenden Farben, die er oft auf eine
eigene Art mit Pastell auf ölfeuchtem Pergament erzielt. Allen
seinen Bildern eignet eine tiefe Besinnlichkeit. Sie richtet sich
einmal auf den dargestellten Inhalt, richtet sich dann aber und
vor allem auf den Stil, auf die Art, wie dieser Inhalt vorgetragen
wird. Da eben entsteht diese eigenartige, von keiner bewussten
Bejahung oder Ablehnung stilistischer Normen beeinträchtigte
Vereinigung der beiden entscheidenden Strömungen der modernen
Malerei. |
Man könnte versuchen zu sagen Vincenz denke
sein Bild wie ein Abstrakter: als eine Funktion von Gebilden des
Flächenraums, und er empfinde es gleichzeitig als eine farbige
Totalität, die das Erlebnis der Sinne in künstlerischer Überhöhung
zum Ausdruck bringt. Die Grade dieser Mischung sind — und
das bezeichnet nicht etwa eine mangelnde Festigkeit des eigenen
stilistischen Standpunktes, sondern im Gegenteil Ursprünglichkeit
dieser Auseinandersetzung
—
von Blatt zu Blatt wechselnd. Es gibt Stationen auf dem Wege Vincenz,
da der Ausgleich gefährdet erscheint. Aber je stärker
das Lyrische vor allem in frei erdichteten, mythologisch anmutenden
Landschaften mit Figuren hervortritt, desto stärker wird der
Eindruck, dass hier einer zum Mittler geworden ist: als Artist
zwischen den Stilen der Zeit und als Künstler — was
nach dem Wort eines modernen Musikers soviel heißt wie „Künder“ — zwischen
den Anliegen der Kunst und denen des Menschen, der in ihr Natur
und Geist vereint erleben will.
A. Br.
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