|
Hans Vincenz: Die Farbe ist sein
Element
Zusammenklang der Farbkontraste / Museum Folkwang zeigt seine Werke
NRZ November 1951
|

Hans Vincenz 1936, Oel auf Leinwand
|
In
Essen-Werden lebt ein Maler, dessen Name vielen Kennern ein Begriff
ist: Hans Vincenz. Er steht im fünfzigsten Lebensjahr. Das
mag vielleicht der Anlass gewesen sein, einige Ausschnitte aus
seinem Gesamtschaffen zu einer Ausstellung zu vereinigen, die
gestern im Museum Folkwang durch Dr. Heinz Köhn eröffnet
wurde. Damit wird der Öffentlichkeit eine Leistung zugänglich
gemacht, die hoher Beachtung und ernsthafter Betrachtung wert
ist. Gezeigt werden Arbeiten Hans Vincenz‘ aus den dreißiger
und aus den letzten Jahren.
Nur ein einziges Bild, die „Straße“ aus
1927, lässt erkennen, dass der Künstler nicht immer
in seiner freudvollen Welt der kraftvollen Farbkontraste zu Hause
war.
Ehe Hans Vincenz wurde, was er heute ist, nahm er vielerlei Einflüsse
von außen her in sich auf, setzte sich offensichtlich eifrig
mit den beiden großen Stilen, dem Impressionismus und dem
Expressionismus, auseinander und wandte besonders den neueren Franzosen
seine Aufmerksamkeit zu; Die Farbe ist sein Element sie bestimmt
den Ausdruck, aus ihr gewinnt er Form und Gestalt. |
Nicht selten steht ein Ton dominierend über allen anderen,
etwa das Grün in dem hervorragend schönen, die Nähe
romantischen Lebensgefühls verratenden „Damenbildnis“,
das Blau in der „Seelandschaft mit Fischern“, das Rot
in der Komposition mit den vier Gestalten~ Wie sorgfältig
sind die farblichen Gegensätze in „Das Paar“ ausgewogen.
Meisterschaft spricht auch aus der „Winterlandschaft“ und
aus „Ernte“. Und dennoch, über dieser Heiterkeit
der Farben liegt eine leise Dämpfung, die den Beschauer eigentümlich
berührt. Eine ganz kleine Melancholie, deren Eindruck sich
das empfindsame Gemüt nicht entziehen kann.
In den späteren Jahren hat sich Hans Vincenz stark der Ölkreide-Technik
ausgeliefert.
Er beherrscht sie virtuos, „Straße am Fluss“, „Kastanienblüten“, „Alte
Frau“ und „Hirte“ zeugen dafür. Zugleich
werden seine Beziehungen zur Gegenständlichkeit lockerer.
Jenes Damenbildnis könnte heute in seinem Atelier wohl kaum
noch entstehen. Die Menschen haben nun keine Gesichter mehr, sie
werden im Ausdruck durch die Körperhaltung charakterisiert.
Geblieben ist indessen die Intensität der Farben, geblieben
ist auch der vorspringende Akzent.
Hans Vincenz hat auch mit einigen Wandbildern bedeutende Arbeiten
geschaffen. Mit ihnen gelangte er an einen Punkt, der seine Fähigkeiten
in idealen Einklang bringt. Mit der Überzeugung, dass an ihn
wahrhaft die künstlerische Berufung ergangen ist, verlässt
der Besucher die reich bedachte Schau.
A.Z.
 |
|